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Kunstmuseum, 8, Kirchgasse, Bornwald, Olten, Bezirk Olten, Amtei Olten-Gösgen, Solothurn, 4601, Schweiz Map
6. September 2020 20:21 14 °C Vereinzelt bewölkt iconVereinzelt bewölkt

Meinrad Peiers Werk im Dialog mit Holzschnitten von
Alois Lichtsteiner, Scarlet Mara, Josef Felix Müller und Selina Zürrer

Der Holz- und Linolschnitt steht ganz im Zentrum dieser Ausstellung. Ihr Titel ist dem Text «Über den Holzschnitt» entnommen, in dem Meinrad Peier seinen Zugang zu dieser traditionellen Technik 1930 beschrieb. Denn der Anlass zum Projekt, an dem neben dem Genannten vier zeitgenössische Künstler*innen beteiligt sind, liegt im aussergewöhnlichen Werk des Lostorfer Lehrers und Künstlers begründet, dessen Nachlass das Kunstmuseum Olten 2018 von seinem Sohn Hans Rudolf Peier entgegennehmen durfte.

Meinrad Peier (1903–1964) war als sensibler Chronist der Region Olten auf ihrem Weg in die Moderne und als pointierter Kritiker des (inter)nationalen Zeitgeschehens tätig. Inhaltlich spiegelt das umfangreiche Schnittwerk neben Darstellungen von Peiers Lebenswelt zwischen Jurawildnis, Aarelauf und Fabrikarbeit auch die grossen politischen Themen: Flüchtlinge, militärische Aufrüstung, soziale Missstände oder die Zerstörung der Natur. Als Buchillustrationen, Gebrauchsgraphik oder günstiger Raumschmuck erreichten die Drucke des engagierten Genossen ein breites, auch bildungs- und kunstfernes Publikum.

Von 1926 bis zu seinem Tod pflegte Peier eine intensive Zusammenarbeit mit der Genossenschaftsdruckerei Olten (GDO). So kommentierte er in der dort verlegten sozialdemokratischen Tageszeitung «Das Volk» über viele Jahre hinweg jeden Samstag aktuelle Themen mit einem prägnanten Bild, das meist um einen satirisch-politischen Vers des Solothurner SP-Regierungsrats Gottfried Klaus ergänzt wurde. Peiers Linol- und Holzdrucke überzeugen durch ihre hohe formale Qualität und ihre Dringlichkeit. Wir möchten das Schaffen des früh Verstorbenen, das trotz zwei in den 1980er-Jahren von Peter Killer in Olten ausgerichteten Ausstellungen in Vergessenheit geraten ist, wieder in Erinnerung rufen und fragen durch die Gegenüberstellungen mit vier zeitgenössischen Positionen zugleich nach der Aktualität dieser wohl ältesten Drucktechnik überhaupt.

Längst sind zu den herkömmlichen Werkzeugen und Materialien neue hinzugetreten und haben das klassische Erscheinungsbild des Hochdrucks ausgeweitet. So arbeitet Josef Felix Müller (*1955), der seit den 1970er-Jahren zu den renommiertesten Holzschneidern der Schweiz gehört, vorwiegend mit der Motorsäge und druckt seine oft grossformatigen Holzschnitte bisweilen gar mit den Füssen. Alois Lichtsteiner (*1950) der sein Augenmerk seit über 20 Jahren auf Berglandschaften als Sinnbilder für den Körper und die Haut richtet, agiert bei der Anfertigung seiner Werke auf den Druckstöcken nicht als Drucker, sondern als Maler und überarbeitet die Blätter zudem auch nachträglich. Auch die Holzschnitte von Scarlet Mara (*1985) sind Unikate. Sie bestehen aus klaren Linien, geometrischen Wiederholungen und organischen Formen, die sie neu auch mit Keramiken in Zusammenhang bringt. Im Unterschied dazu verfolgt Selina Zürrer (*1992) einen konzeptuellen Ansatz. Ihre Arbeit «info press» kreist um die Frage, wie Informationen verbreitet werden und lenkt den Blick auf die Veränderungen, welche die Kommunikation seit der Zeit erfahren hat, als vor rund 400 Jahren der Holzschnitt die Informationsübermittlung revolutionierte.